Geschichten
Hier eine Sammlung kleiner Erinnerungsfetzen von verschiedenen Abenden wo ich mir die Kante gegeben habe. Warum das einen interessieren sollte? Was weiß ich. So kann ich später wenigstens meinen Enkeln sagen, hier – „werdet nicht wie Opa“.
Passiert: auf Übung 05/09
Der Abend im FriendshipInn
Übungsende – zumindest für die Übenden. Nach zweieinhalb Wochen mehr oder weniger erfüllter Monotonie gab es einen kleinen erwähnenswerten Abend. Im Mannschaftsheimzeltdingens war ordentlich was los. Live-Unterhaltung mit der StO-Rockband (dass es so was gibt hätte ich jetzt auch nicht gedacht) und „BierFrei“ – Eine erfreuliche Mischung. Also mit den Kameraden einmarschiert, an die Bierbänke und dann erstmal ne Runde Trunk geholt. Zwar hatte ich anfangs meine Bedenken, weil, wie sollte es auch anders sein, saßen wir (also Megatron und ich) direkt neben den Dienstgraden. Aber als dann gut 3mal soviel Bier wie Vorgesetzte an ihrem Platz erschienen war die FreeFireZone freigegeben. Zwar galt nach wie vor „Nach-eigenem-Ermessen“ – aber dann 0,5 Bierle für 50Cent anbieten, tztztz. Man kann sich vorstellen wie da gesoffen wurde, die Klischees erfüllten sich reihenweise. Als dann auch noch die Band anfing zu spielen war die Stimmung auf dem Höhepunkt. Von ACDCs TNT bis SevenNationArmy von TheWhiteStripes war alles vertreten und irgendwann standen dann die gesamte Kompanie auf den Bierbänken und gröhlte fleißig alles mit. Die französischen Soldaten taten es uns gleich und man grüßte fröhlich ohne auch nur ein Wort zu wechseln. Das nenn ich mal Völkerverständigung. Aber im Grunde haben wir uns wie auf dem letzten Oktoberfest im Bierzelt benommen. Vorallem größtenteils „nur“ wir. Die anderen Reihen, vollgepackt mit Stabsoffizieren, schienen dass nicht sooo gut zu heißen – aber ganz ehrlich – scheiss drauf. Lustig war´s und das ist es was zählt. Zuerst war geplant „Schluss gegen 9“ – woraus dann 10 wurde und die letzten dann so um halb 11 zurück in den Baracken einfielen. Am schlimmsten waren natürlich wieder die Dienstgrade mit von der Partie, aber wen trifft der Anschiss am nächsten Morgen? Natürlich uns arme Schweine. Aber keine Sorge, ich hab mich gut zusammengerissen. 4 Bier reichten völlig aus, so ausgemergelt ich war zu dem Zeitpunkt. Was ich von Megatron nicht behaupten kann. Aber der Rückweg ist unter ein Schweigegelübte gestellt.
Passiert: 04/09
Der Abend mit dem KommissarZufall
Letzter Samstag vor meinem Übunsgaufenthalt in Bayern. Das schrie nach einem Atzensaufgelage. Also einen der wenigen Verbliebenden angerufen, die sich noch in dem kleinen verkackten Städtchen aufhalten und was würde zu sowas besser passen als meinen alten Freund KommissarZufall zu packen und gegen jeglichen Widerstand in die Stadt zu zerren. (Man beachte, auch hier ist es nicht sein richtiger Name, sondern der Name seiner DatingHomepage auf der wir uns kennengelernt haben und eine zeitlang glücklich verbandelt waren… glaub ich). Unsere erste Anlaufstation war das Enchi, (unser BermudaDreieck Samstagabends um 11 aufzusuchen ist so erfolgsversprechend wie nach Moskau im Winter zu marschieren) mittlerweile war aufgrund der mittlerweile angenehm warmen Temepraturen sogar die Außenterrasse geöffnet, was uns im ersten Moment als eine gute Idee erschien. Also setzten wir uns zu dem allgemein lahmen Publikum um die typischen 5€-Drinks zu schlürfen um den GuteLauneOfen anzuheizen. Aber anscheinend waren wir wie Luft für die Blondi-Klone. Während sie scheinbar mit professioneller Zielstrebigkeit vermieden uns zu bedienen und selbst meinem charmantesten Lächeln nicht folgten und konsequent an uns vorbeiliefen, sank das GuteLauneBarometer tiefer und tiefer. Als dann zum 5ten Mal die Dienerschaft schnurrstracks an uns vorbei an den Tisch von vier fetten, alkoholfreien-CaiPi-saufenden, wohl Philosophie-auf-Lehramt-studierenden, Weibern mit ViP-Decken (nein das waren keine Jacken) lief, war es langsam aber sicher Zeit, agressivere Methoden anzuwenden. In mir stieg der Drang auf, meinen Stuhl in die Bande von Möchtegernproleten mit AgarHupfdolen zu befördern, die am Tisch uns gegenüber rumgröhlten, da erhaschten wir mit wildem Gewinke die Aufmerksamkeit einer der Mädels, einer Dunkelhaarigen. 10 Minuten später – wir bekommen EINEN Drink. Weitere 10Minuten verbringen wir damit dem Schauspiel zu fröhnen, dass nach einer Schnitzeljagd – mit dem Thema „Wer hat nochmal was bestellt“ aussieht. Es ist mittlerweile kurz vor 1200, nicht nur auf der Uhr. Endlich bekommen wir den zweiten Drink. Er ist warm. Die Eiswürfel machten erst nach dem Akt des Kunstdrinkens („Steck in Rein und Rühr in Um“) ihre Job. Das war aber das unser kleinstes Problem.
Ohne Trinkgeld zu zahlen sind wir dann weitergezogen (Glück für die, dass wir überhaupt was gezahlt haben). Schaufensterbummel bei Nacht kann verdammt lustig sein, ich meine, wie zur Hölle halten sich die meisten Läden? Wir waren uns einig, dass EdHardy-Träger stillose Penner sind, die Statue von Dr. Alban völlig zurecht aufgestellt wurde und dass unser nächster Arbeitsschritt auf dem Weg zur Volltrunkenheit wartet. Das Tacheles musste herhalten, ist es doch eines der wenigen Lokale, dass man noch als halbwegszivilisierter Saufprolet besuchen konnte. Gut, der Türsteher machte gleich einen etwas angepissten Eindruck auf mich. Selbst Schuld wenn ihr mich reinlasst. Der Abend entwickelte sich. Der Tacheles-Spezial war ordentlich gemixt auch wenn er mehr als schwul aussah. Meiner Leber ist das egal. Ein Bier später und es ging ab auf die Tanzfläche. Ja, die Wörter Tanzfläche und meine Wenigkeit in einem Satz mögen den Kenner aufschrecken lassen, das liegt daran, dass der Spezial wirklich gut gemacht war. Aber kennt ihr das? Ihr seid echt gut dabei, aber nicht betrunken, also nicht so dermaßen, dass es gleich in einem Gedächtnisverlust endet. Es ist vielmehr so, dass man sich selbst dabei zusieht, wie man sich in Mr. Hyde verwandelt. Deswegen kann ich mich auch so gut an das alles erinnern.
Die Fläche war wirklich voll, die Musik wie immer: Diskotauglich, mit bumpenden Bässen und viel zu leise und die Leute waren alle mehr oder weniger Normalos. Und wenn man der einzige Verrückte ist, dann endet das meistens in einer Schlägerei oder ähnlichem. Aber soweit kam es nicht – aus einem mir völlig unbekannten Grund. Ich mein, ich hätte einem wie mir in dem Augenblick selber in die Fresse hauen wollen. Ich wühlte mich regelrecht durch die Menge, machte mir Platz, startete mehr oder weniger einen kleinen Moshpit. Ich kenn es nur so, tschuldigung, gehe sonst nur zu Hardcore- oder Metalkonzerten und wenn mich da dauernd irgendwelche Penner anschubsen dann schubs ich zurück und dann gibts n Moshpit. Der Kommissar erklärte mir später, dass es wohl ganz normal sei in solchen Clubs auf der Tanzfläche. Komischerweise machte er aber mit und wir tanzten ausgelassener als die anderen Pisser. Ich hatte meinen Platz und ein hübsches Mädel mit schwarzen Haaren (joah so 2,5* würd ich meinen) sprach mich lächelnd darauf an. Da sie aber n komischen Spacken als Freund hatte der sie sofort wieder zu sich zog, ließ ich mich nicht lange vom Dääncen abhalten.
Passiert: 04/09
Der Abend mit Megatron
Die Frage lautet: Kann man in D´schingen weggehen? Die Antwort: Ja, muss man aber nicht. Da es mal wieder eine Woche war, in der man sich am liebsten die Kugel geben würde, beschlossen mein neuer Stubenkamerad und ich uns stattdessen zu ertränken. Wenn möglich in Hochprozentigen. Er war noch nicht lange am Standort und da müsse man doch mal was machen. Wie immer bleibt einem als Soldat nicht viel übrig, aber der Junge machte zumindest Stimmung. Erstmal die Boxen aufgedreht (Schrottboxen aber immerhin), Atzenmusik aufgelegt (Lieder wie „Riesenglied“ und „Fick die Ex“ waren dabei intellektülle Höhepunkte) und unsere Chance auf einen gelungenen Abend ausgerechnet.
Megatron: „Heute ist elsässischer Abend in de Kantine.“
Ich: „Und? Was willst du da? Französisches Bier saufen und Merguez-Würstchen fressen, bis wir Kotzen müssen?“
Megatron: „Warum nicht, ist sicher lustig… die haben da sogar Karaoke…“
Ich: „Sind mir zuviele Dienstgrade unterwegs…“
Megatron: „…und ne Hüpfburg!“
Ich: „Eine verfickte Hüpfburg?! Ich sag dir was, an jedem anderen Ort außer hier wäre das die ideale Mischung zur völligen-Atzen-zerstörungs-feier… Aber leider nicht hier!“
Etwas traurig über diese Erkenntnis (ich mein – ne Hüpfburg!) besoffen herumzugrölen und dann in die Hüpfburg zu kotzen (was auch garantiert passiert wäre, wenn wir nicht in der Armee wären und sowas garantiert mit einer Verhaftung geendet hätte, wie ich mich kenn), einigten wir uns das Schlachtfeld zu wechseln.
Man beachte, es war Donnerstagabend. Der einzige Abend unter der Woche an der man sich die Kante geben konnte, ohne am nächsten Tag einsatzbereit sein zu müssen. Demnach war auch nicht wirklich was los. Erstmal in den örtlichen IrishPub gestürmt, WhiskeyCola (sogar den guten JackDaniels wenn mich die Süße an der Bar nicht angelogen hat für nur 3,20 oder so) und Bierle (waah – Fürstenberg, was anderes kriegste da unten ja nicht) getrunken und dann wieder abgehauen. Das Shooters da unten, im Gegensatz zu unserm, nicht im Keller aber ähnlich eingerichtet und mit der gleichen Shot-Tafel. Und ab da setzt dann irgendwie meine Erinnerungslücken ein. Ich mein, ich war ja noch nie so wirklich der Trinker, zudem hab ich wahnsinnig an Gewicht verloren (zu meinem Bedauern…wüääh), hab an dem Tag kaum was gegessen, und war ein bisschen kaputt – soviel zu meiner Verteidigung, muss reichen. Also noch einen Shot reingezogen, der wirklich gut schmeckte (Hieß glaub ich CheckpointCharlie) und einen weiteren JackyCola, der wirklich saugut gemischt war, im Gegensatz zu den stellenweise lausigen Dingern bei unserem. Im Großen und Ganzen haben wir den Abend über nur von der Arbeit gesprochen. Was denn auch sonst. Wir hatten das bereits mal angesprochen – im zivilen Leben interessiern Bund-geschichten keine Sau (und ist auch kein guter Anmachspruch: „Keine Sorge junge Frau, ich bin von der Bundeswöhr“, glaubts mir). Also über alles und jeden hergezogen. War sehr spaßig. Megatron ist ein lustiger Typ (ja das ist sein Spitzname) und wir verstanden uns soweit prima. Weiter den Abend waren wir dann gut dabei, nicht voll, gut ich ein bisschen, aber es reichte für gewisse Konversationsdefizite. Wir redeten uns von da an nur noch mit „Monsieur“ an und benutzen „Fromage“ und „Baguette“ als Hauptaussagen. So torkelten wir dann irgendwann auch nach „Hause“, war wohl so gegen 0100 und fielen dann mehr oder weniger in die Heia. Zwar wollten wir noch einen der Gezi-Kameraden auffsuchen um ihn in seiner Stube „weiterfeiern“, aber wir wussten nicht wo- da hat er Glück gehabt.
Der nächste Tag war dann geprägt von leichten Kopfschmerzen und Übelkeit die ersten Stunden. Immer schön am Lächeln, jede Übelkeit überspielend und weiter vorbildlich arbeiten. Sogar so vorbildlich, dass ich und ein paar andere wegen „vorbildlicher Pflichterfüllung“ 2 Stunden früher ins Wochenende geschickt wurden. Hahaha, das muss sich mal einer vorstellen, total am ranzen, lange die Stube geputzt um den Körper in Schwung zu halten und versucht meinen Minesweeper Rekord zu brechen und dann – nach Hause? Hallo und Tschüss. Naja, ich lege das mal auf die anderen Tage aus, wo ich was gearbeitet habe. Aber grinsen musste ich dann doch.